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24.06.16: Crispr-Cas9 und Co.: Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zu Genom-Editierung

Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zu Genom-Editierung am 22.06.16Am 22.06.16 veranstaltete der Deutsche Ethikrat seine Jahrestagung zum Thema „Zugriff auf das menschliche Erbgut. Neue Möglichkeiten und ihre ethische Bewertung“. Hierzu waren über 500 Teilnehmer in Berlin zusammengekommen.

Das menschliche Erbgut gezielt zu verändern, ist dank neuer, sogenannter „genomchirurgischer“ Verfahren wie der Crispr-Cas9-Technik in greifbare Nähe gerückt, heißt es in der Pressemitteilung zur Tagung. Fragen, die aus der ethischen Debatte über Gentherapie mittels Virus-Transfer bereits bekannt sind, stellen sich neu: Sollen Eingriffe in die Keimbahn beim menschlichen Embryo verboten bleiben, erlaubt werden, oder sind sie gar geboten? Was gebietet die Verantwortung gegenüber künftigen Generationen? Muss man Sorge haben, dass die Einfachheit der neuen Verfahren zu einer unkritischen Anwendung der Technik verleitet?

Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, setzte zur Eröffnung der Tagung hohe Maßstäbe: „Undifferenziertes Bedenkenträgertum ist per se genauso wenig die Aufgabe ethischer Reflexion wie die nachträgliche moralische Weihe schon längst etablierter Verfahren.“ Dabrock zufolge gehe es vielmehr darum zu prüfen, „worauf wir als Gesellschaft uns einlassen oder eben nicht einlassen wollen mit Crispr-Cas9 und Co.“.

Betrachtungen zur Genom-Editierung aus gesellschaftlicher, medizinischer, rechtlicher und ethischer Sicht

Im Einführungsvortrag unterzog Jörg Vogel von der Universität Würzburg die Genom-Editierung einer kritischen Betrachtung. Dem enormen Innovationspotenzial, das die neuen Methoden für die Grundlagenforschung, aber auch für die Pflanzenzüchtung, die Biotechnologie oder die Behandlung von genetisch bedingten Krankheiten zweifellos in sich trügen, stünden weitreichende soziale, rechtliche und ethische Fragen gegenüber, über die sich die Gesellschaft im Sinne eines verantwortungsbewussten Handelns verständigen müsse.

Die medizinischen Handlungsoptionen waren Gegenstand des Vortrags von Karl Welte von der Universität Tübingen. Die mit den neuen Methoden möglichen Eingriffe in das Genom seien zwar überraschend einfach, so Welte, und die Behandlung genetisch bedingter Krankheiten könnte davon profitieren, es gebe aber erhebliche Bedenken gegen Eingriffe in die Keimbahn. Solange nicht klar sei, welche unvorhersehbaren Auswirkungen die gezielten Veränderungen der genetischen Information in der menschlichen Keimbahn mit sich brächten, sollten in der Medizin Alternativen wie die Präimplantationsdiagnostik und die Stammzelltransplantation weiter genutzt werden, so Weltes Plädoyer.

Jochen Taupitz von der Universität Mannheim stellte die geltende Rechtslage vor. Demnach verbiete das Embryonenschutzgesetz zwar die künstliche Veränderung der menschlichen Keimbahn, es enthalte aber erhebliche Unklarheiten und Lücken. Die Begründung des Gesetzgebers, Keimbahninterventionen wegen der damit verbundenen Gefahren für die danach geborenen Menschen unter Strafe zu stellen, könnte laut Taupitz künftig entfallen, wenn derartige Interventionen hinreichend sicher durchgeführt werden könnten.

Mit Blick auf die ethischen Fragen der „Genomchirurgie“ plädierte Wolfgang Huber von der Humboldt-Universität Berlin dafür, „weder den Heils- noch den Unheilspropheten das Feld zu überlassen, sondern von Menschen erdachte Innovationen als Feld verantwortlicher Gestaltung anzusehen“. Unterschiedliche ethische Herausforderungen identifizierte er dem bericht zufolge bei somatischer Gentherapie und Keimbahnintervention. Letztere sei nach dem derzeitigen Stand deshalb abzulehnen, weil die damit verbundenen Risiken noch überhaupt nicht absehbar und deshalb auch nicht mit den damit verbundenen Chancen abwägbar seien. Außerdem sei es notwendig, denkbare Therapien klar von der ethisch problematischen genetischen Verbesserung zu unterscheiden. Zur Unverfügbarkeit der menschlichen Identität, deren Bedeutung Huber betonte, gehöre es, den Menschen nicht gemäß einem von anderen entworfenen Bauplan zu konstruieren und zu produzieren.

Vier Streitgespräche

Die gesellschaftliche Kontroverse über „Genomchirurgie“ spiegelte sich in den vier Streitgesprächen des Nachmittags wider. Im Mittelpunkt der Diskussionsrunden, in die sich auch das Publikum intensiv einschaltete, standen laut Ethikrat-Mitteilung die Fragen, ob „Genomchirurgie“ beim menschlichen Embryo verboten, erlaubt oder gar geboten sei, was die Verantwortung für zukünftige Generationen gebiete, ob die Bewahrung des „Natürlichen“ der Genom-Editierung Grenzen setze und ob die Einfachheit der neuen Verfahren zu einer unkritischen Anwendung der Technik verleite. Bei allen Divergenzen habe sich sich in allen Diskussionsrunden ein Konsens insofern abgezeichnet, als die weitere Forschung auf dem Gebiet der Genomchirurgie aufmerksam verfolgt und durch einen breiten gesellschaftlichen Diskurs flankiert werden müsse und ein klinischer Einsatz an menschlichen Embryonen nicht infrage komme, solange die Methode nicht als hinreichend sicher gilt.

Weiterführende Informationen:


Presseschau zur Ethikrat-Jahrestagung zum Genomediting 22.06.16

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl an Meldungen zur Jahrestagung des Deutschen Ethikrates zur Genom-Editierung am 22.06.16.

Streit um genetische Hochpräzisions-Schere
FRANKFURTER RUNDSCHAU 17.06.16

Zugriff auf das menschliche Erbgut
Ethikrat befasst sich mit neuen gentechnischen Methoden
DOMRADIO 20.06.16

Genchirurgie: Revolution im Labor
Die einen fürchten sich vor dem "Menschen nach Maß", die anderen schwärmen von ungeahnten medizinischen Möglichkeiten. Aber wenn es um Crispr - und damit die Genchirurgie - geht, sind weder Hype noch Panikmache angemessen. Plädoyer für eine sachliche Debatte.
von Jana Schlütter
TAGESSPIEGEL 21.06.16

Gut informieren und kritisch abwägen
Ethikrat befasst sich mit neuer Technik der Gen-Chirurgie
Der Deutsche Ethikrat berät am Mittwoch über neue Möglichkeiten zum Eingriff ins Erbgut. Wichtig sei, nach langfristigen Folgen und gesellschaftlichen Konsequenzen zu fragen, erklärt der Moraltheologe Professor Dr. Franz-Josef Bormann.
DOMRADIO 22.06.16

Gen-Schere: Wunderwaffe oder Teufelszeug?
von Marcel Burkhardt
Forscher schwärmen vom enormen Potenzial einer neuen Gen-Schere, mit der pflanzliches, tierisches und menschliches Erbgut gezielt verändert werden kann. Kritiker dagegen befürchten "Gen-Doping" beim Menschen. Heute beschäftigt sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema.
ZDF heute.de 22.06.16

(Gen-)Schere im Kopf
Ethikrat trifft sich zur Jahrestagung
Das Erbgut nicht verändern, sondern "umschreiben" - Genome Editing macht's möglich. Hochkarätige Experten beraten heute die Potenziale und Risiken der neuen Technik. tagesschau.de erklärt, wie Genome Editing funktioniert und welche ethischen Herausforderungen sich daraus ergeben.
TAGESSCHAU.De 22.06.16

Debatte um Crispr-Cas: "Schwarz-Weiß kann es in einer solchen komplizierten Frage nicht geben"
Der Deutsche Ethikrat hat über den Einsatz der genetischen Hochpräzisions-Schere Crispr-Cas9 debattiert. Der Rat könne noch keine abschließende Empfehlung zum Umgang mit dieser Technologie geben, sagte Ethikrat-Mitglied Alena Buyx im DLF. Man stehe erst am Beginn einer Debatte.
DEUTSCHLANDFUNK 22.06.16

Gottes Werkzeug oder gefährliche Technik?
Die Gen-Schere Crispr-Cas9 weckt Hoffnungen auf ein Ende vieler Krankheiten.
EVANGELISCH.DE 22.06.16

Forscher tüfteln am Baukasten für Menschen
Die Synthese eines künstlichen Chromosoms vor wenigen Jahren war eine Sensation. Forscher wollen dies bald mit menschlichem Erbgut wiederholen und versprechen sich viel davon. Kommt dann bald das Designer-Baby?
Ein Leitartikel von Peter Leiner
Ärzte Zeitung 22.06.16

Wie umgehen mit dem wohl größten Dilemma der medizinischen Forschung?
Gene Editing und Tests an Embryonen sind vielversprechende Verfahren gegen Krankheiten auf der ganzen Welt. Doch sie sind extrem riskant.
Von Kathrin Zinkant
SUEDDEUTSCHE.DE 22.06.16

Kleine Schnitte mit der Gen-Schere
Der deutsche Ethikrat hat auf seiner Jahrestagung über Eingriffe in das menschliche Erbgut diskutiert. Neue Techniken der Biomedizin sind vielversprechend, aber risikoreich.
Von Kathrin Zinkant, Berlin
SUEDDEUTSCHE.DE 22.06.16

Genome-Editing: "Nicht einfach weiter wegducken"
Der Molekularbiologe Jörg Vogel hat zu einem gesellschaftlichen Dialog über die neuen Möglichkeiten zur Veränderung von Erbgut aufgerufen. Bei neuen Verfahren wie die Crispr-Cas9-Methode müsse man dieselben Betrachtungen anstellen, wie bei der Gentherapie und Gentechnik, sagte Vogel im DLF. Man könne sich als Gesellschaft nicht einfach weiter wegducken.
DEUTSCHLANDFUNK 22.06.16

Forscher in der Rolle der Aufklärer
Genom-Chirurgie: Fluch oder Segen?
Jörg Vogel im Gespräch mit Liane von Billerbeck
DEUTSCHLANDRADIO 22.06.16

USA: Erster Einsatz der „Gen-Schere“ CRISPR bei Krebs geplant
Philadelphia - US-Forscher wollen die „Gen-Schere“ CRISPR zur Behandlung des malignen Melanoms einsetzen.
AERZTEBLATT.DE 22.06.16


Presse 23.06.16

Deutscher Ethikrat: Breite Debatte über CrisprCas gefordert
Berlin – Der Deutsche Ethikrat hat sich gestern auf seiner Jahrestagung mit den ethischen Fragen neuer Methoden der Gen-Chirurgie befasst, zu der vor allem die „Crispr-Cas9-Technik“ gehört.
AERZTEBLATT.DE 23.06.16

Der Crispr-Geist
Schwere Erbleiden verhindern, Schutz vor HIV: Der Ethikrat beriet erstmals, ob und wann das Erbgut von Embryonen verändert werden darf.
von Jana Schlütter
TAGESSPIEGEL 23.06.16

"Menschenzüchtung muss tabu bleiben"
Bald wird der Mensch die Natur mit der Gentechnik Crispr kontrollieren. Doch es besteht die Gefahr, Risiken zu unterschätzen, sagt Ethikrat-Mitglied Sigrid Graumann.
Interview: Alina Schadwinkel
ZEIT Online 23.06.16

Gen-Veränderungen: Ethikrat sieht Chancen und Risiken bei neuer Technik
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Dabrock, fordert eine Debatte über mögliche positive wie negative Folgen von Eingriffen ins Erbgut.
DEUTSCHLANDFUNK 23.06.16

Jahrestagung des Ethikrates zu Genom-Editierung findet starke öffentliche Resonanz
„Zugriff auf das menschliche Erbgut. Neue Möglichkeiten und ihre ethische Bewertung“ war das Thema der Jahrestagung des Deutschen Ethikrates, zu der am gestrigen Mittwoch über 500 Teilnehmer in Berlin zusammengekommen sind.
PRESSEMITTEILUNG Deutscher Ethikrat 23.06.16


Presse 24.06.16

Eingriff ins menschliche Erbgut: "Das wird man nicht verantworten können"
Aus Berlin berichtet Julia Merlot
Der Deutsche Ethikrat streitet über Eingriffe in die DNA des Menschen: Theoretisch ließen sich Gene so verändern, dass manipuliertes Erbgut an Kinder und Enkel weitergegeben wird. Doch die Versuche sind umstritten.
SPIEGEL Online 24.06.16

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